Denken und Fühlen – Woche III/2

Beitrag vom
31. März 2020
Corona-Krise, Meditation & Achtsamkeit, Neuigkeiten

Wir wissen viel, aber im Augenblick der Entscheidung nützt das oft nichts, denn sonst würden wir uns weniger dafür entscheiden, was uns stresst, und mehr dafür, was uns nicht stresst.

Wer glaubt: „Mich regen aber nur die anderen auf“, irrt. Nichts würde einen aufregen, ließe man das nicht selbst zu.

Diese Aussage stimmt zwar, entspricht jedoch nicht unserer Erfahrung. Entsprechend dieser scheinen es ja doch die Umstände zu sein, etwa die Corona-Krise, die aufregen.

Trotzdem: Durch genaues Hinschauen wäre zu erkennen: Nicht die Krise regt uns auf und ängstigt, sondern wir nehmen die Krise zum Anlass, um uns zu erregen und Angst zu haben.

Man kann prüfen, ob das stimmt.

Und wenn ja, warum?

Weil wir weder unsere Gedanken noch Gefühle wirklich im Griff haben. Wir handeln im Affekt. Nicht wir haben unsere Emotionen, Ärger, Wut, Angst, unter Kontrolle, sondern unsere Emotionen haben uns unter Kontrolle.

Das hat mit dem Zusammenhang zwischen Wahrnehmung, Fühlen, Denken und Handeln zu tun.

Ich möchte rauchen. Zwar weiß ich, dass ich das nicht tun sollte, aber ich habe Stress und der ist mir unangenehm. Das unangenehme Gefühl lässt nach, wenn ich rauche. Das nennt man Suchtmechanismus oder ‚süchtiges Verhalten‘ und das gibt es in vielen anderen Varianten. Ich sehe billiges Gemüse, ich denke, das sollte ich nicht kaufen, es ist unter schlechteren Umweltbedingungen gewachsen als das Qualitätsprodukt daneben. Der Preis bewirkt ein angenehmes Gefühl in mir, das ich nicht bemerke, das mir nicht bewusst ist, ich greife zu der Billigware ausschließlich aufgrund des Gefühls, das der geringe Preis bewirkt. Das geht ganz rasch. In Millisekunden. Die Wahrnehmung des Preisangebotes, also das Sehen des Preisschildes, ruft automatisch ein Gefühl hervor. In den Prozess kann man nicht eingreifen. Erst nach der Entstehung des Gefühls kommt die Handlung und die ist durch das Gefühl bedingt. Es ist kaum möglich, sich gegen das Gefühl zu entscheiden, vor allem dann nicht, wenn es einem nicht bewusst ist.

Es kommt auf mein Bewusstsein an, wie ich mich verhalte, und mein Bewusstsein habe ich, weil ich bin, wie ich bin. Ich müsste ein anderes Bewusstsein haben, um mich anders zu entscheiden. Das Bewusstsein zu ändern ist ähnlich schwer, wie den Charakter zu ändern.

Irgendwo muss man aber anfangen, wenn man sich ändern möchte. Und ändern wird man sich erst wollen, wenn man Leiden spürt. Wir leiden, wenn wir unter Stress stehen.

Wir hängen so lange in sich wiederholenden Endlosschleifen gleicher Denk- und Handlungsgewohnheiten, bis wir sie ändern.

Der uns allen auferlegte Rückzug in dieser Krise ist eine gute Gelegenheit, um zu beginnen, Denk- und Handlungsgewohnheiten zu hinterfragen.

Der österreichische Politaktivist und Kabarettist Rudi Fußi stellt auf YouTube wichtige Fragen: Macht es Sinn, wenn ein Prozent der Menschen 50 Prozent besitzen, wenn Arbeitskraft hoch und Spekulationsgewinn gar nicht besteuert wird, dass einheimische Firmen Steuern bezahlen und Amazon keine, macht es Sinn, dass Flugtickets billiger sind als Bahnkarten? Das sind wichtige Fragen und auch sie verändern unser Bewusstsein, doch was nützt das, wenn uns Fliegen ein angenehmeres Gefühl bereitet als Zugfahren? Vor allem, wenn uns das Gefühl nicht bewusst ist und wir nicht merken, wie es uns beeinflusst?

Krisen bieten als positive Kehrseite eine Gelegenheit, sich zu ändern. Jetzt kann man anfangen, Fragen zu stellen, Verhaltensmuster achtsam anzuschauen, den Geist zu üben. So gelingt es, dass nach der Krise nicht alles weitergeht wie davor.

Ohne das Bewusstsein zu ändern, sich die eigenen Gedanken und Gefühle bewusstzumachen, fallen wir allzu leicht in alte Bahnen zurück. Sie sind im Hirn tief eingebrannt, ähnlich wie Lastwagenspuren im Schlamm.

Achtsamkeit und Meditation sind Bewusstheits- und Konzentrationsmethoden. Durch sie kann man lernen, mit dem Denken und Fühlen weiser umzugehen.

Kontemplation
Die Methode der Meditation mit Konzentration auf den Atem hat es im Abendland vor den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts kaum gegeben – andere Formen der Meditation, vorwiegend in christlichen Klöstern, sehr wohl. Eine abendländische Methode der Meditation ist die Kontemplation. Man stellt eine Frage oder ein Thema vor sein geistiges Auge und erwägt sie/es, betrachtet sie/es, ohne zu bewerten.

Auf diese Weise kann man das eigene Leben untersuchen. Diese Form der Untersuchung ist neben Meditation und Achtsamkeit die dritte Methode eines Geistestrainings. Die vierte ist die Anstrengung. Sie werden im Übungsweg W.I.S.D.O.M. beschrieben.

Übung: Geleitete Kontemplation „Wie geht es weiter?“

 

Anleitung zum Sitzen:
Sich einen geeigneten, ungestörten Ort suchen.
Sich auf ein Kissen oder einen Stuhl setzen.
Den Rücken bequem aufrecht halten, sich nicht anlehnen.
Die Hände in den Schoß oder auf die Knie legen.
Am Boden sitzend, sollen die Knie den Boden berühren.
Ist das im Schneidersitz nicht möglich, sich im Kniesitz auf einen Polster oder auf einen Stuhl setzen. In diesem Fall die Beine nicht überschlagen, sondern parallel halten.

 

 

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